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Meet our Alumni: David „Davey“ Yang produziert österreichischen ESC Song

David „Davey“ Yang ist ein österreichischer Produzent und Komponist, der im Sommer 2019 seine Ausbildung am Abbey Road Institute erfolgreich abschließen konnte. Nach seinem Jahr in Frankfurt zog es ihn wieder in seine Heimatstadt Wien zurück. Dort war er als Produzent und Musical Director am Song „Alive“ beteiligt, mit dem Österreich am diesjährigen Eurovision Song Contest Song teilnehmen sollte.

Doch wie kam es dazu und wie schätzt er rückblickend auf die Zeit am Institut zurück? Um das zu erfahren, haben wir mit ihm das folgende Interview geführt:

Davey, Du hast im letzten Jahr Deinen Abschluss am Abbey Road Institute Frankfurt gemacht. Was geht Dir durch den Kopf wenn Du auf diese Zeit zurückschaust? Was waren Deine persönlichen Highlights aus diesem Jahr?

Ich weiß noch genau wie ich im Klassenraum saß und gar kein Plan davon hatte, wie ein EQ funktioniert. So hat alles für mich angefangen und ich habe durch das Abbey Road Institute in der Musikproduktion erst richtig laufen gelernt. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Instituts Manager Ulli Schiller zu uns sagte, dass man zuerst das technische Produktionshandwerk beherrschen müsse, damit es einem während der kreativen Arbeit nicht im Wege steht. 

Im Oktober letzten Jahres fand dann die Zeugnisvergabe im legendären Abbey Road Studio 2 statt. Was war das für ein Gefühl?

Es fühlte sich komplett unwirklich an, an solch einem historischen Ort zu sein. Die Atmosphäre war so faszinierend, dass ich mir direkt geschworen habe dorthin zurückzukehren, um in dieser magischen Umgebung nochmal aufzunehmen.  

Wie bist Du überhaupt zur Musik und vor allem zur Musikproduktion gekommen?

Meine ersten Erfahrungen konnte ich in der Kirche sammeln, dort hatte ich die Gelegenheit verschiedene Instrumente auszuprobieren. Mein Interesse für die Produktion habe ich dagegen erst entwickelt, nachdem ich mein Jazzstudium abbrach. 

Du hast als Produzent bereits viel mit dem österreichischen Sänger Vincent Bueno zusammengearbeitet. Wie ist diese Collaboration zustande gekommen?

Das ist eine lustige Geschichte: Ich habe Vincent auf Social Media kontaktiert und ihm ein paar Songs von mir geschickt, an denen ich zu der Zeit gearbeitet habe. Glücklicherweise hat er mir direkt geantwortet, dass er an einer Zusammenarbeit interessiert ist.

Aus dieser Zusammenarbeit ist dann auch der Song “Alive” entstanden, mit dem Vincent am diesjährigen Eurovision Song Contest teilnehmen sollte. Wie kam diese unglaubliche Nominierung zustande?  

Vincent fragte mich, ob ich einen Song von ihm produzieren möchte, den er an Eberhard Forcher, den österreichischen Talentscout für den Eurovision Song Contest, weiterleiten würde. Anfangs arbeitete ich mit meinem Klassenkameraden Felix von Göns zusammen an dem Song. Nach meinem Abschluss zog ich wieder zurück nach Wien und dort nahmen Vincent, Artur Aigner und ich den letzten Schliff am Song vor. Was dann folgte, waren unzählige Runden die „Alive“ überstehen musste, bis er schließlich von der Jury als offizieller Beitrag für den ESC gewählt wurde. 

Dave Yang next to Vincent Bueno and the Austrian Eurovision Team

Dave Yang next to Vincent Bueno and the Austrian Eurovision Team

Lass uns ein bisschen über den Song sprechen. Was hast Du zur finalen Version beigesteuert? 

Ich war an der Komposition, der Produktion und dem Arrangement beteiligt. 

Wo wurde der Song produziert und welches Equipment habt ihr dabei benutzt?

Das erste Demo haben wir am Institut in Frankfurt produziert, die finale Version im Studio von Vincent. Für die Vocalaufnahmen haben wir das Sony C800 Mikrofon und den BAE 1073 Vorverstärker benutzt.

Wer hat den Song gemastert und was hast Du ihm/ihr dafür zur Verfügung gestellt? Die einzelnen Stems, oder nur den Stereo Mix?

Nikodem Milewski hat den Song gemischt und gemastert, dafür habe ich ihm die einzelnen Stems geschickt. 

Anfang April wurde bekannt gegeben, dass der ESC auf Grund des Corona Virus nicht wie gewohnt stattfinden wird. Zwar wird es eine liveübertragung von den einzelnen Liveauftritten der Künstler geben, jedoch ohne Publikum. Wie war eure Reaktion auf diese Nachricht?

Alle im Team waren darüber natürlich sehr enttäuscht, da bereits unheimlich viel Energie in die Vorbereitung der Live Performance gesteckt wurde. Der ESC war schon immer ein Wettbewerb, der vom Live Publikum gelebt hat und von daher gibt es denke ich auch keine gute Alternative zur ursprünglichen Show. Mittlerweile wurde entschieden, dass Vincent im nächsten Jahr für Österreich beim ESC antreten darf und ich werde mein bestes geben, dann wieder ein Teil des Teams zu sein. 

Wo siehst Du Dich selber in ein paar Jahren? Eher in der Rolle als auftretender Künstler und Songwriter oder doch eher als Produzent/Engineer?

Während meiner Arbeit mit Vincent in den letzten Monaten habe ich einen guten Einblick in die österreichische Musikindustrie bekommen. Dabei habe ich viel über die Bedeutung des Geschäfts hinter dem Song gelernt. Ich möchte mich gerne in diesem Bereich weiterbilden. Ich werde versuchen im Musikbusiness Fuß zu fassen und gleichzeitig weiterhin als Songwriter und Produzent kreativ weiterarbeiten. 

Was war rückblickend für dich das Wichtigste was Du am Abbey gelernt hast?

Ich habe meine Ohren darauf trainiert sehr genau Musik zu hören. Außerdem hat mir die Ausbildung sehr dabei geholfen schnell und sauber arbeiten zu können und den eigenen Workflow zu finden, der am besten zu mir passt.

An welchen anderen Projekten arbeitest Du sonst noch aktuell?

Momentan verbringe ich die meiste Zeit damit, mich im Musikgeschäft weiterzubilden. In Zukunft werde ich weiterhin mit Vincent und anderen talentierten Künstlern zusammenarbeiten, die bisher noch nicht die Möglichkeit hatten ihre Songs zu veröffentlichen. Und wie bereits erwähnt werde ich alles dafür tun, wieder an der Produktion des nächstjährigen ESC Beitrag für Österreich beteiligt zu sein. 

Vielen Dank für das nette Gespräch, wir wünschen Dir weiterhin alles Gute auf Deinem Weg!

Interview: Ulli Schiller  Übersetzung: Yannick Sahlmen

Hier findet ihr den angesprochenen Song: