Blog

Absolventen des Abbey Road Institutes recorden im Abbey Road Studio London

In den Abbey Road Studios London aufzunehmen, ist der Traum jedes Musikproduzenten. Für die Absolventen des Abbey Road Institutes wurde er wahr. Unter Anleitung von Audio Engineer Stefano Civetta hatten die Berliner und Frankfurter je einen Tag Zeit, ihr eigenes Projekt zu verwirklichen. Wie beeindrucken das war, berichtet Yannick Sahlmen aus Berlin. Was die Frankfurter erlebten, folgt in Kürze.

Schon die Zeugnisübergabe am Abend vor der Recordings Session war ein äußerst emotionales Erlebnis. Mit Stolz und etwas Wehmut nahmen wir das „Advanced Diploma in Music Production and Sound Engineering“ aus den Händen unserer Headcoaches entgegen. Dazu bekamen wir den Hinweis, das Abbey Road Institute nicht zu vergessen, wenn wir unseren ersten Grammy überreicht bekämen. Auch, wenn dies erstmal humorvoll klingen mag, verfestigte sich bei uns das Gefühl, dass in diesen Worten viel Vertrauen und Überzeugung steckt.

Recording Session im Abbey Road Studio London

Der große Tag, auf den wir so lange hingefiebert haben, begann um 9:30 Uhr. Schon am Abend zuvor hatten wir die Gelegenheit, uns das Studio 3, indem bereits die Vorbereitungen für die Recording-Session getroffen wurden, anzusehen und Sound Engineer Stefano Civetta kennenzulernen.

Piano | Piano-Recording | Abbey Road Studios London | Abbey Road Institute | Yannick Sahlmen | Music Production | Sound Engineering

Yannick Sahlmen

Nach Aufbau und Soundcheck wurden die Instrumente in verschiedenen Blöcken aufgenommen: Zuerst zusammen als Band Schlagzeug, Piano, E- Gitarre, Bass und ein paar Shaker. Dann als Overdub noch die berühmte Hammond Orgel, ein paar Töne des berüchtigten Beatles Pianos (wow!), Bongos und zuletzt meine Vocals inklusiv eines Chorparts.

Anfangs herrschte bei uns eine große Nervosität. Besonders ich war sehr aufgeregt, der Song, den wir aufnehmen würden, stammt nämlich aus meiner Feder. Doch dank Stefanos Unterstützung kamen zügig immer mehr Aufnahmen dazu, der Song wurde voller und lebendiger, und schneller als geplant waren alle Instrumente im Kasten. Kollektives Durchatmen, man will sich in solch heiligen Hallen ja nicht blamieren.

Stefano „Ninja“ Civetta an der SSL und Pro Tools

Ich habe in meinem Leben noch niemanden getroffen, der mich musikalisch so beeindruckt hat wie Stefano. Die Absolventen des vorherigen Kurses haben ihn den „Ninja“ getauft. Das ist auf die wahnsinnige Geschwindigkeit und die Professionalität zurückzuführen, mit der er das Mischpult, eine SSL 9000, sowie Pro Tools bedient. In einem Nebensatz erzählte Stefano uns, dass er vor kurzem innerhalb von 2,5 Tagen ein ganzes Album gemischt hat. Wahnsinn! Zudem besitzt er das beste Gehör, das ich jemals bei einem Menschen beobachten durfte. Das kam mir beim Finden der Harmoniestimmen sehr zugute.

Gesangs- und Choraufnahmen

Nach fünfeinhalb Stunden fehlten tatsächlich nur noch die Gesangsaufnahmen, was mich sehr beruhigte, da dieser Teil für mich der stressigste sein würde. Zeitdruck hätte ich dabei so gar nicht gebrauchen können. Immerhin musste ich komplett alleine abliefern – und das in dieser Wahnsinns Gesangskabine, in der schon so viele fantastische Sänger aufgenommen wurden.

Doch Stefano ist eben ein Profi, der genau weiß, wie er sich in solch einer Situation verhalten muss. In kürzester Zeit nahm er mir die Nervosität. Part für Part nahmen wir einige Takes auf, bis wir genug Material hatten.

Es folgten die vierstimmigen Choraufnahmen, bestehend aus mir, zwei weiteren Absolventen und unserem Headcoach Stefan Weiser höchst persönlich. Schon während des Einsingens klangen die Aufnahmen durch die Akustik im Raum und aufgrund der Mikrofonierung großartig. Es folgten letzte ad libs von mir, letzte Tipps von Stefano, ein paar Takes und etwa vier Stunden früher als erwartet, waren alle Aufnahmen fertig.

Stefano Civetta und die Graduates in der Regie von Studio 3

Stefano Civetta und unsere Absolventen

Mixing iM Studio 3

So hatten wir noch eine Menge Zeit für das Mixing. Stunden, die wir damit verbrachten, mit einer Mischung aus Staunen und Neugierde Stefano dabei zu beobachten, wie er innerhalb von kürzester Zeit den Song immer besser klingen lies.

Ich genoss diese Zeit. Und so langsam wurde uns allen bewusst, was hier gerade passierte. Im Abbey Road Studio London zu recorden, also etwas, wovon die meisten Musiker und Produzenten träumen und als ein Karriereziel angeben, durften wir bereits jetzt erleben.

Um 20 Uhr endete die Studio Session und wir verließen überwältigt den Studiotrakt. Abends im Pub ließen wir diesen Tag nochmal Revue passieren. Das Lächeln wich uns nicht mehr aus den Gesichtern. Ungläubig, ob das alles wirklich passiert ist, oder eben doch noch eine Wunschvorstellung war.

Ein intensives Jahr am Abbey Road Institute

Immer wieder unterhielten wir uns darüber, wie weit uns dieses sehr intensive Jahr gebracht hat – musikalisch und persönlich. Aus dem puren Wunsch, einmal mit Musik Geld zu verdienen, ist ein Plan geworden. Netzwerke haben sich gebildet, Bands haben sich gefunden, Labels haben sich gegründet, Songs und Alben sind entstanden. Niemand weiß, wie das Jahr für uns verlaufen wäre ohne die Ausbildung am Abbey Road Institute. Fest steht: heute ist jeder von uns froh, sich genau für diese entschieden zu haben.

Die Absolventen aus Berlin im Studio 1

Ein letztes Gruppenbild im Studio 1

Zukunftspläne für die Karriere im professionellen Musikbusiness

Mein Plan ist, mit zwei Kommilitonen aus dem Berliner Abbey Road Institute ein Studio und Label in Berlin Neukölln zu gründen. Schwerpunkt soll auf dem Songwriting und Produzieren für Künstler sowie externe Firmen liegen. Genau, wie ich es mir immer gewünscht habe. Und Dank der Zeit am Abbey Road Institute bin ich mittlerweile auch davon überzeugt, dass es mit der Karriere in der Musikindustrie klappen kann.

Be the future Sound Engineer

Wenn auch du von einer Karriere im professionellen Musikbusiness träumst, kann ich dir nur raten, dich mit den Leuten vom Abbey Road Institute in Berlin oder Frankfurt in Verbindung zu setzen, dort einmal einen Open Studio Day und einen Study For A Day zu besuchen und abzuchecken, ob es für dich der richtige Einstieg ist. Für mich war es so!

 

Text: Yannick Sahlmen  Edit: Susi Schiller